Alte Tradition, neue Wege!

 

Burkhard Graf Beissel von Gymnich ist seit 2001 Besitzer des Schlosses Guteneck.

Burkhard Graf Beissel von Gymnich ist seit 2001 Besitzer des Schlosses Guteneck.

Burkhard Graf Beissel von Gymnich: „In einem Schloss spürt man seine Vorfahren!

 

Es geht leicht bergauf. Eine wunderbare Landschaft mit vielen Wäldern rundherum. Die ursprüngliche Oberpfalz, unverfälscht! Schon von weitem ist es zu erkennen. Es überragt die sanften Hügel: Schloss Guteneck. Ein herrschaftliches Anwesen, das seit 2001 in Burkhard Graf Beissel von Gymnich und seiner Frau, Cornelia Gräfin Beissel von Gymnich, neue Besitzer hat. Sie geben der vivo-Redaktion im ersten Teil unserer neuen Adels-Serie einen Einblick in ihr Leben als Schlossherren.

Wälder, Teiche und Felder! 160 Hektar rund um die Gemeinde Guteneck im Landkreis Schwandorf gehören dem Grafen. Dazu das fünf Hektar große Schloss mit einer Dachfläche von rund 10.000 Quadratmetern. „Glücklich kann man nur sein, wenn man ein hohes Bewusstsein zur Tradition hat“, sagt der Adelige. Er ist glücklich und steht zur Tradition seiner Familie. Er, der bis vor acht Jahren noch sein Geld als Banker an der Börse verdiente. Er, der über 25 Jahre in Düsseldorf als Geschäftsführer einer Vermögensverwaltung arbeitete.

Vor acht Jahren stand Burkhard Graf Beissel von Gymnich vor einer zukunftsverändernden Entscheidung. Er hätte das elterliche Erbe in das Schicksal vieler Adelssitze – Verkauf oder Verfall – einreihen können. Der Graf entschied sich für den anderen Weg, einenneuen: „Ich wollte eine wirtschaftliche Basis schaffen, die den Erhalt des Kulturdenkmals, dessen Anfänge ins 12. Jahrhundert zurückreichen, möglich macht. Denn in so einem Schloss spürt man seine Vorfahren!“

Er übernahm das elterliche Erbe von seinem Vater Albrecht und stellte die Landwirtschaft auf „ökologisch“ um. Seine Philosophie: Ökologie und Ökonomie in Einklang bringen. Das versucht Graf Beissel, seit er die Ländereien von seinen Eltern, die einer alten rheinischen Adelsfamilie, deren Anfänge bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgt werden können, übernommen hat. Als Öko-Freak will er sich dennoch nicht bezeichnen: „Ich bin einfach ein Mensch, der das, was er geerbt hat,richtig verwalten und erhalten möchte. Und das muss ich wirtschaftlich betreiben.“

Keine leichte Aufgabe. „Meine Familie und ich leben und wohnen außergewöhnlich. Das hat seinen Preis, wobei wir es auch wesentlich einfacher haben könnten“, berichtet der 54-Jährige.Denn der Druck, viel Neues unternehmen zu müssen, weil die alten Wege der finanziellen Einkünfte nicht mehr funktionieren, sei immens. „Man will ja das Geerbte erhalten und seinen Nachkommen in gutem Zustand übergeben“, sagt der Vater dreier Kinder, dessen ältester Sohn – „Er liebt Schloss Guteneck!“ – das Familienerbe einmal antreten wird.

Für jede Veranstaltung finden sich die passenden Räumlichkeiten. 200 bis 400 Gäste sind dabei keine Seltenheit.

Für jede Veranstaltung finden sich die passenden Räumlichkeiten. 200 bis 400 Gäste sind dabei keine Seltenheit.

Deshalb hat der Graf sein SchlossGuteneck, dessen Mauern zum Teil über 800 Jahre alt sind, für besondere Veranstaltungen geöffnet. Ferienwohnungen mit insgesamt 23 Betten stehen zum Beispiel interessierten Gästen zur Verfügung. Auch Seminare können im Schloss abgehalten werden. Im Advent gibt es einen romantischen Weihnachtsmarkt, während des Jahres sind etliche Konzerte und Theateraufführungen geplant, im Herbst ein Markt unter dem Motto „Südtiroler Törggelen“. Und in der Schlosskapelle kann man sogar heiraten. Alleine heuer wollen sich dort 15 Paare trauen lassen.

Die alten Mauern erwirtschaften mittlerweile ihren eigenen Unterhalt. Da verbindet Graf Beissel geschickt Geschäft mit Traditionspflege. Burkhard Graf Beissel von Gymnich: „Das Schloss ist Heimat geworden und das ist es genau, was ich auch meinen Kindern geben möchte: Einen Ort, wo man sich zurückziehen möchte. Wo man weiß, hier ist man zuhause.” Auch wenn man durch die vielen Veranstaltungen einen Teil seiner Privatsphäre preis gibt.

Dennoch gibt es etwas, das der Graf wie seinen Augapfel hütet. Etwas an einem streng geheimen Ort. Ein Ausdruck ganz besonderer Sammelleidenschaft: alte Messgewänder. Unschätzbar wertvolle Stoffe, zum Teil aus dem 15. Jahrhundert – aus England, Spanien, Bayern. Kunstvoll gewebt, gestickt, geklöppelt. Burkhard Graf Beissel von Gymnich: „Man erkennt, was für eine Arbeit in diesen Teilen steckt, wie hart die Frauen früher gearbeitet haben. Das ist gigantisch, unglaublich.“ Dies alles im eigenen Museum auszustellen, dieser Traum ist noch unerfüllt.

Nicht der einzige Traum, den der Adelige hegt: Sein Schloss soll sich mittelfristig als Kultur- und Wirtschaftszentrum etablieren. Die ersten wichtigen Kontakte mit Vertretern der World Trade Center Association sind bereits geknüpft. Wobei Burkhard Graf Beissel von Gymnich immer eines fest im Blick hat: „Es wird gewirkt zum Wohle des Ganzen.“ Sprich: Die alte Tradition muss durch neue Wege erhalten bleiben.

©Fotos: Stephan Landgraf, Schloss Guteneck