Flüssiges Gold mit einem Hauch Karibik

Warum ein guter Whisky und eine kubanische Zigarre einen Winterabend zum puren Genuss werden lassen

Genuss pur: Eine gute Zigarre und ein guter Whisky – für Peter Götz (links) und Armin Spieß (rechts) ein Stück Lebensqualität.

 

Es schneit, das Thermometer zeigt fünf Grad unter null an. Im Wohnzimmer knistert das Feuer im Kachelofen, es ist kuschelig warm – ein wunderschöner Winterabend, einfach zum Genießen. So lässt es sich leben. Vor allem, wenn man im lederbezogenen Ohrensessel entspannt, in der linken Hand ein gutes Glas Whiskey (oder Whisky?) halten und mit der rechten genüsslich einen tiefen Zug aus einer sehr guten Zigarre nehmen kann.

Vorab zur Frage „Whiskey“ oder „Whisky“? Auf die Schreibweise kommt es an – denn die Iren, Amerikaner und Kanadier bevorzugen das „e“ im Wort, die Schotten hingegen nicht. Im Deutschen ist die schottische Schreibweise am gängigsten, auf die wir uns auch im folgenden Artikel einigten. Eines ist allen Genießern des „Wasser des Lebens“ – so die Übersetzung der gälischen Urbezeichnung „uisge beatha“ oder „usquebaugh“ – aber gemeinsam: „Die Whisky-Leidenschaft fängt bei der Nase an. Vor dem Trinken wird geschnuppert. Gerade wenn es nicht um die Billig-Marken geht, sondern um die Königsklasse, den schottischen oder irischen Single Malt, kann das schon ein Moment voller Überraschungen sein“, weiß Armin Spieß, gelernter Koch und Inhaber des Amberger Pubs „O’Brian“.

Denn: Mal lässt sich ein Hauch von Vanille erahnen, mal riecht es nach Beerenfrüchten oder nach Banane, nach Holzfeuer, Torf oder Seeluft. Kaum jemand weiß das besser als der 49-Jährige. Er hat seine Whisky-Leidenschaft in den letzten Jahren perfektioniert und zum Hobby gemacht. Ein Blick hinter seine Theke im „O’Brian“ offenbart dies. Zahlreiche Whisky-Sorten aus aller Herren Länder stehen fein säuberlich aufgereiht im Regal oder hängen an der Decke.

Dann wird ganz sachte angezogen.

Ein Single Malt kommt immer aus einer ganz bestimmten Destillerie – anders als der Blended Scotch, bei dem verschiedene Whiskys verschnitten, also munter gemischt werden. Ein Single Malt ist nicht unbedingt besser, aber interessanter“, sagt Spieß, als er einen gold-gelbenen Caol Ila, einem torfigen Whisky von der schottischen Halbinsel Islay, langsam in ein Stielglas mit tulpenförmigen Kelch laufen lässt. „Das ideale Whisky-Glas. Die Zeiten des klobigen Tumblers sind vorbei. In den Stielgläsern verfliegt das Aroma nicht so schnell“, erklärt Armin Spieß.

Zudem ist kein Malt wie der andere. Jede Destillerie unterscheide sich im Detail – schon in der Form der Brennkessel. Auch sie hat Einfluss auf den Geschmack, ebenso wie die Dauer der Lagerung in Eichenfässern. Die Unterschiede zwischen einzelnen Malt Whiskys seien viel größer als zum Beispiel bei Cognac oder Grappa, sagt der 49-Jährige. Wie der Whisky schmeckt, hänge von vielen Faktoren ab. Die Herstellung des Alkohols ist prinzipiell immer gleich, Unterschiede im Detail gibt es aber viele. „Schottischer Whisky wird zweifach gebrannt, irischer dreimal“, sagt Armin Spieß. Der irische sei deshalb etwas milder und süßer.

Aber auch innerhalb Schottlands gibt es zwischen den Regionen große Unterschiede bei den Malt Whiskys: „Für Einsteiger eignen sich besonders solche aus den Lowlands im schottischen Süden“, sagt der gelernte Koch. Diese Whiskys seien leicht und mild. Eher für Fortgeschrittene sind Malts wie der kräftige Talisker von der Isle of Skye oder Lagavulin von der Whisky-Insel Islay, wo sich auf kleinem Raum gleich ein halbes Dutzend viel gerühmter Destillerien drängen – von Ardbeg bis Bruichladdich. Charakteristisch für sie ist ihr ausgeprägt torfiger Geschmack. Im „O‘Brian“ haben Gäste die Wahl zwischen rund 50 Whiskys. Neben Single Malts gibt es auch amerikanischen Bourbon und Blended Scotch. Letzterer wird vor allem für Cocktails verwendet. Malt Whiskys trinkt man dagegen grundsätzlich pur – sonst ließen sich die vielen Geschmacksnuancen kaum bemerken.

Dann wird ganz sachte angezogen.

Und für Whisky-Kenner gibt es kaum eine grausamere Vorstellung, als dass jemand einen Malt mit Cola mixen könnte. Geschweige denn, einen guten Whisky mit einer Zigarre zu verfälschen. Spieß: „Ich würde mich für eines von beiden entscheiden. Denn die Komponenten einer teuren Zigarre und eines teuren Whiskys könnten sich überlagern.“

Zwischentitel:

Weg vom Opa-Image hin zum Trend

Für Peter Götz, dem Inhaber des traditionsreichen Regensburger Tabakgeschäftes Götz, hingegen gehören ein guter kubanischer oder guatemalischer Rum oder ein Malt Whisky zum Zigarrenrauchen dazu. „Das ist Entspannung pur, eine gemeinsame geschmackliche Erlebniswelt, die sich sonst einem verschließt“, sagt Götz, der über 400 verschiedene Zigarren in seinem Angebot hat und selbst zwei bis drei Zigarren pro Woche raucht.

Noch vor einigen Jahren verband man mit dem Anblick einer Zigarre das Erscheinungsbild eines korpulenten Mittfünfzigers in leitender Funktion in Industrie und Gesellschaft, der uns mit seinem „Ich-hab’s-geschafft”-Glimmstängel auf die Nerven ging. Peter Götz: „Zigarren waren in den 80er Jahren tot, sie litten unter dem Opa-Image.“ Erst mit dem Börsen-Boom in den 90igern fanden Cohibas, Montecristos und Davidoffs wieder den Einzug in alle Alters- und Gesellschaftsschichten.

In den Stielgläsern hält sich das Aroma des Whiskys am längsten.

In den Stielgläsern hält sich das Aroma des Whiskys am längsten.

Dieser „neue Hauch“ hat auch die Oberpfalz erreicht. Auch hier Umsatzsteigerungen, insbesondere im Bereich der Premium-Zigarren aus der Karibik. Dabei ist die Käuferschicht laut Peter Götz nicht nur angewachsen, „es ist eine ganz neue hinzugekommen”. Bei diesen neuen Konsumenten handelt es sich um junge Menschen, die „ab und zu vorbeikommen und ein bis drei Premium-Zigarren kaufen“. Zudem boomt die Zigarre neben der lungen Feinschmecker-Generationen auch bei weiblichen Gourmets.

Montecristo, Romeo y Julieta, Bolivar, Cohiba – die kubanischen Freudenspender gelten als die besten Zigarren der Welt. Aber auch die Produkte der Dominikanischen Republik, Honduras oder Nicaraguas haben zu den Havanas aufgeschlossen. „Hier sind die Geschmacksunterschiede das entscheidende Kriterium. Denn während die kubanischen Zigarren würzig und intensiv schmecken, sind die anderen weicher und etwas leichter“, erklärt Peter Götz. Für den Raucher besteht die Zigarre aus dem Heu, dem Herrlichen und dem Konzentrierten. Er beschreibt damit die drei Phasen des Rauchgenusses, vom Anrauchen über die wahre Entfaltung des ganzen Aromas bis zu dem Teil der sich nicht umsonst der Konzentrierte nennt.

Wer ihn erreicht hat, sollte die Zigarre langsam in den Ascher legen und ausgehen lassen, nicht ausdrücken“, sagt Peter Götz. Tatsächlich gibt es eine Reihe von Benimm-Regeln, die der Zigarren-Knigge empfiehlt. Bei der Auswahl seiner Zigarre sollte man darauf achten, dass das Deckblatt einheitlich aussieht und keine Abblätterungs-Erscheinungen aufweist. Die Zigarrenspitze sollte dann mit der scharfen, glatten Klinge einer Zigarren-Guillotine abgeschnitten werden und nicht abgebissen. Beim Anzünden das Brandende zunächst gleichmäßig anglimmen, erst dann sachte ziehen.

Ohnehin sollte man starkes Ziehen auch während des Rauchens vermeiden, erst recht sollte man es lassen, den Rauch zu inhalieren“, erklärt der Regensburger Unternehmer weiter. Das Rauchen einer Zigarre bedarf Zeit und Aufmerksamkeit. „Zigarren sind wie Frauen – schenkt man ihnen nicht genug Aufmerksamkeit, gehen sie aus”, so einst Zigarren-Papst Zino Davidoff, von dem Peter Götz noch eine ganze Holzkiste der legendären Zigarre „No. 1“ in seinem Humidor lagern hat. Am besten genießt man die Zigarre im Ohrensessel vor dem Kachelofen – mit einem Glas Whisky in der Hand oder nicht…?

©Fotos: Stephan Landgraf