Klaus Eder und Dr. Gerhard Ascher über ihre Leidenschaft zum kleinen weißen Ball – Präzision im Beruf und beim Golfspielen

Klaus Eder im Trainingslager 2010 der deutschen Fußballer auf Sizilien.
Klaus Eder im Trainingslager 2010 der deutschen Fußballer auf Sizilien.

14,7 – 15,1 – 16,2: Nein, hier handelt es sich nicht um den Koeffizienten des Körperfettanteils bei Frauen oder Männern. Es sind die Golf-Handicaps von Dr. Gerhard Ascher sowie von Ursula und Klaus Eder. „Golf ist mehr als nur ein Sport. Es ist Herausforderung, Spannung, Philosophie und Leidenschaft“, sagen sie übereinstimmend. Die Faszination zum Spiel mit dem kleinen weißen Ball hat auch den Facharzt für Orthopädie und das Physiotherapeuten-Ehepaar mittlerweile infiziert.

„Unsere Berufe erfordern absolute Präzision. Diese lässt sich natürlich bestens auf das Golfspiel übertragen“, bringt es Dr. Gerhard Ascher auf den Punkt. „Golfen ist ein Zweikampf zwischen dem Ball und mir. Wenn man den Ball so trifft, dass er perfekt 200 Meter und mehr durch die Luft fliegt, ist das ein tolles Gefühl. Ein Sieg über den Ball“, ergänzt Klaus Eder – eben ein „Game of skills“, das über 18 Löcher hinweg Konzentration benötigt, aber dennoch entspannt.

Eine Freundschaft von Kindesbeinen an

Klaus Eder und Dr. Gerhard Ascher kennen sich von Kindesbeinen an, seit 1983 kooperieren sie. So ist der Sportmediziner auch Ärztlicher Leiter des Fortbildungszentrums in Klaus Eders Zentrum EDEN REHA in Donaustauf. Die Freundschaft zwischen beiden besteht seit Jahrzehnten, zusammen haben sie viel erlebt. Gemeinsam standen sie im medizinischen Team der deutschen Olympia-Mannschaft oder der deutschen Tennis-Davis Cup-Crew und waren stellenweise 60 bis 100 Wochenenden im Jahr unterwegs.

Während es Ursula und Klaus Eder heute noch sind, hat sich Dr. Gerhard Ascher aus dem Spitzensport-Bereich etwas zurückgezogen. „Klaus und ich arbeiten zwar nach wie vor eng zusammen, aber ich kümmere mich aus ärztlicher Sicht derzeit lediglich um die Eishockey-Spieler des EV Regensburg und die Judoka des TSV Abensberg“, erzählt der Sportmediziner, der unter anderem schon die Bundesliga-Kicker des 1. FC Nürnberg betreute und jahrelang Ärztlicher Leiter des deutschen Paralympic-Teams war.

Anders Ursula und Klaus Eder, die zuletzt im März mit den deutschen Tennisspielern in Zagreb beim Davis Cup waren und den dramatischen Viertelfinal-Einzug bejubelten. Klaus Eder erwarb schon mit 20 Jahren in Berlin das Staatsexamen als Physiotherapeut. Nachdem er 1977 auch das Examen als Sportphysiotherapeut abgelegt hatte, machte er sich selbstständig. 1981 wird er in den Lehrstab des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) aufgenommen und war bei den Olympischen Spielen dabei. Er bildete sich immer weiter, 1986 kam das Examen in Manueller Therapie hinzu – dafür zog er sogar nach Oslo. Seit 1988 leitet Eder sein eigenes Reha-Zentrum in Donaustauf bei Regensburg und bildet selbst Sportphysiotherapeuten aus.

Weltmeisterschaften ein bleibendes Erlebnis

Kurz vor der Fußball-Europameisterschaft 1988 stieß er als Physiotherapeut zur Nationalmannschaft, mit der er bisher fast 300 Spiele und elf Turniere erlebt hat. „Es war eher ein Zufallsprodukt“, erinnert er sich. „Franz Beckenbauer, damals Teamchef, hat mich gefragt, nachdem ich mich schon um die Spieler des FC Bayern München gekümmert hatte, ob ich nicht auch fürs Nationalteam arbeiten will.“

Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Klaus Eder behandeln Michael Ballack.
Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Klaus Eder behandeln Michael Ballack.

Natürlich zählt er die Siege bei der Weltmeisterschaft 1990 und bei der EM 1996 zu seinen Karriere-Höhepunkten, stolz ist Eder aber auch auf sechs Olympia-Teilnahmen seit 1984. Ein bleibendes Erlebnis waren auch die Weltmeisterschaften 2006 im eigenen Land und 2010 in Südafrika. „Ich fühle mich in der Fußball-Nationalmannschaft sehr gut aufgehoben. Bei den letzten beiden Titelkämpfen war es unter Bundestrainer Jogi Löw aber schon eine ganz besondere Atmosphäre“, erzählt er. Kameradschaftlich, harmonisch und rücksichtsvoll mit dem nötigen Respekt seien die Spieler untereinander und mit dem Betreuer- und Trainerstab umgegangen. Faktoren, die sich laut Klaus Eder auch auf die sportlichen Leistungen positiv übertragen haben.

Nicht nur die Fußballer schwören auf ihn, sogar U2-Sänger Bono begeben sich immer wieder vertrauensvoll in seine Hände. Und das aus gutem Grund. Klaus Eder ist nämlich die erste Adresse für die physiotherapeutische Betreuung von Spitzensportlern. Seinen Spitznamen „der Mann mit den harten Daumen” verdankt er dem ehemaligen Bundesligaprofi Mehmet Scholl. Bei dem Kicker desFC Bayern München hatte sich während eines Spiels ein Muskel in der Wade verdreht, den Eder durch den Einsatz seines Daumens wieder in die richtige Position brachte. Die Erfahrung war für Scholl so schmerzhaft, dass er Eder diesen Namen verpasste. Eder selbst kann darüber nur schmunzeln: „Wenn man Muskeln oder Bänder verschieben muss, braucht man natürlich Kraft im Daumen. Schmerzen gehören nun einmal dazu.”

Eine wahre Freundschaft – auch abseits des Golfplatzes – ist zwischen Klaus Eder und Boris Becker entstanden.
Eine wahre Freundschaft – auch abseits des Golfplatzes – ist zwischen Klaus Eder und Boris Becker entstanden.

 

Die Zusammenarbeit von Klaus Eder mit dem Deutschen Tennis Bund begann 1987, als Boris Becker, mittlerweile ein sehr guter persönlicher Freund der Familie Eder, ihn regelmäßig zu seinen Davis Cup-Einsätzen einfliegen ließ. „Als ich dann vor Ort war, haben mich auch Charly Steeb und Patrik Kühnen gefragt, ob ich sie nicht behandeln kann”, so Klaus Eder über seine Anfänge im DTB-Team. Auch der damalige Kapitän Niki Pilic war schnell von seinen Qualitäten überzeugt und so wurde Klaus Eder 1990 fester Bestandteil des deutschen Davis Cup Teams.

Die Zusammenarbeit dauerte zunächst nur bis 2000. Dann beendete Eder das Arbeitsverhältnis: „Damals haben alle aus dem Team aufgehört – Boris Becker, Charly Steeb, der Teamarzt Gerhard Ascher und auch DTB-Sportwart Walter Knapper. Nach dem Motto ,Wenn’s am schönsten ist, soll man aufhören’  habe ich mich da entschlossen, auch zu gehen.”

Doch Klaus Eder hatte seine Rechnung ohne die Neuen gemacht. „Patrik Kühnen, Nicolas Kiefer und Tommy Haas haben mich darum gebeten, wieder zurück zu kommen. Tommy hat sogar angeboten, mich zu bezahlen, falls es daran liegen sollte.” Das Angebot von Haas lehnte Klaus Eder ab. Er war jedoch so geschmeichelt, dass er nach nur einem Jahr wieder zurückkehrte und mit seiner Frau Ursula bis heute dem Team treu geblieben ist.

Schon tolle Männerrunden gespielt

Sie kennen sich von Kindesbeinen an: Klaus Eder (l.) und Dr. Gerhard Ascher (r.).
Sie kennen sich von Kindesbeinen an: Klaus Eder (l.) und Dr. Gerhard Ascher (r.).

In den vielen Jahren der Zusammenarbeit haben sich für den Physiotherapeuten viele Freundschaften entwickelt – keine Seltenheit in diesem Beruf. Nach den Matches nimmt er sich viel Zeit für die Behandlung der Spieler und ist dadurch häufig nicht nur über die körperlichen Befindlichkeiten informiert. Weil der dreifache Fachbuchautor sich nicht nur nach den Spielen um seine Patienten kümmert, sondern auch vor und während den Spielen im Dienst ist, kann ein Arbeitstag zum Beispiel beim Davis Cup auch schon mal 16 Stunden lang werden. Und wenn Klaus Eder gerade mal nicht Hand anlegt, treibt er selbst Sport und steht seinen Patienten in Sachen Fitness in nichts nach. Wann immer sich ihm die Gelegenheit bietet, schnürt er seine Laufschuhe und joggt los.

Wenn dem viel beschäftigten Physiotherapeuten mal ein paar Stunden Freizeit mehr zur Verfügung stehen, greift er gerne zu seinen Golfschlägern. Zu seinen Partnern zählen neben seiner Ehefrau Ursula auch Boris Becker, Andreas Köpke, Oliver Bierhoff und Franz Beckenbauer – und eben Dr. Gerhard Ascher, der seines Zeichens sieben Jahre lang Vizepräsident im Golf- und Landclub Thiergarten Regensburg war: „Wir haben schon tolle Männerrunden gespielt“, schmunzeln Klaus Eder und Dr. Gerhard Ascher. Im Frühjahr und im Sommer sind die beiden mehr auf den Golfplätzen zu finden als sonst wo – die feste gemeinsame Runde jeden Mittwoch eingeschlossen. Golf ist eben eine Leidenschaft und die Herausforderung, ständig sein Handicap zu verbessern und sich mit anderen Infizierten zu messen.

©Fotos: Stephan Landgraf, Klaus Eder, DFB